Im zweiten Wiener Gemeindebezirk, am Rabiner-Schneerson-Platz, unweit der Haltestelle der Straßenbahnlinie 5 „Nordwestbahnstraße“ und nur wenige Schritte vom Augarten entfernt, befindet sich eines der letzten 15 noch bestehenden öffentlichen Pissoirs in Wien. Die, in der Fachliteratur aufgrund der äußeren Erscheinung und Architektur, auch „Wiener Pavillon Pissoirs“ genannten Erleichterungsanstalten für Herren, haben das Wiener Stadtbild seid 1886 maßgebend mitgeprägt.

In einer Zeit, in der die meisten Häuser im Wohnraum noch nicht über eigene Toilettenanlagen verfügten, bedurfte es einer diskreten und auf keinen Fall das öffentliche Ärgernis erregenden Lösung für die Notdurft-Verrichtung an öffentlichen Plätzen und in Parkanlagen. Als Antwort auf diesen Umstand wurden von der Stadt Wien die optisch überaus ansprechenden WC-Anlagen errichtet. Im Jahr 1910 gab es knapp 140 Pavillon Pissoirs in ganz Wien. Das öffentliche Pissoir am Rabiner-Schneerson-Platz ist das letzte seiner Art in den inneren Wiener Bezirken.

Besonders wichtig für die Betreibung der achteckigen stillen Örtchen war die Geruchsreduktion, um Anrainer und Passanten nicht zu verärgern. Das österreichische Unternehmen Beetz entwickelte deshalb ein spezielles Ölsystem, indem die Schamwände, die die zumeist fünf kreisförmig aufgestellten Pissoirs trennten, mit Öl bestrichen wurden, damit diese imprägniert wurden und der Urin abgestoßen und nach unten in den Ölsiphon geleitet und regelmäßig abgepumpt werden konnte. Beschwerden über unangenehme Gerüche gab es trotz des innovativen Systems über Jahrzehnte hinweg, weshalb das Ölsystem von der Firma Beetz über die vergangenen Jahre weiterentwickelt und von einer Membran abgelöst wurde. Trotz all dem bedarf es der gewissenhaften Reinigung, die laut dem Magistrat einmal täglich stattfindet.

Im Jahr 2017 wurde eine großangelegte Renovierung der historischen Anlagen von der Stadt Wien gestartet. Warum sich das letzte Wiener Pavillon Pissoir der inneren Bezirke gerade am Rabiner-Schneerson-Platz halten konnte, ist nicht klar. Die naheliegende Haltestelle der Straßenbahnlinie 5 lädt jedoch zu einigen Spekulationen ein, riecht es in den (besonders) hinteren Wagons der Bim sehr oft danach, als hätte jemand während der ca. 35-Minütigen Fahrt und 8km langen Strecke zwischen den Knotenpunkten Westbahnhof und Praterstern dringend die Toilette aufsuchen müssen. Wer solch ein Malheur vermeiden möchte, dem sei zumindest als Mann, das Austreten am Rabiner-Schneerson-Platz sehr ans Herz gelegt. Auch wenn das öffentliche Pissoir weder mit großem Komfort noch mit der nötigen Privatsphäre aufwarten kann, so ist es trotzdem eine historisch bedeutende und überaus sehenswerte öffentliche WC-Anlage in Wien.

Sauberkeit
Wohlfühlfaktor
Ausstattung
Durchschnitt:
 

barrierefrei

kostenpflichtig

Wickeltisch

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