Das Burg Kino wurde 1912 im Herzen Wiens eröffnet und zählt zu den ältesten Lichtspielhäusern der Welt. Für mich als leidenschaftlichen Cineasten also Grund genug, es für die Mitternachtspremiere der aktuellen Star Wars-Episode auszuwählen.

Doch wer kennt es nicht? Man gönnt sich entweder eine fürstliche Portion Nachos oder einen großen Becher Zuckerwasser und beschwört somit das nahende Unheil herauf. Schon während der Vorstellung rutsche ich auf meinem Sitz herum, doch es heißt weiter durchhalten. Das jährliche Zelebrieren des inneren Kindes hat im Moment Vorrang.

Um etwa drei Uhr nachts werde ich schließlich aus dem Großen Saal entlassen und stelle mir die alles entscheidende Frage – Wo befindet sich der rettende Hafen in Form eines WCs? Nach anfänglichen Schwierigkeiten werde ich links neben dem Buffet, wo einem während des Hochbetriebs das salzig-buttrige Popcornaroma in die Nase steigt, fündig. Zur Orientierung: rechts neben der Kassa führt eine Treppe in den unteren Bereich. Dort signalisieren dann Hinweisschilder den Weg zum ersehnten Ziel. Das Kino bietet dem Publikum zwei voneinander getrennte Räume für Frau und Mann. Ich schreite also zur Tat und betrete den Bereich, der für die Herren der Schöpfung vorgesehen ist.

Gleich zu Beginn fällt auf, dass der Raum bloß durch schwache Deckenlampen ausgeleuchtet wird. Dies verleiht dem WC in Verbindung mit den beigen Fliesen ein eher düsteres Flair und verleitet dazu, das Geschäft so rasch wie möglich über die Bühne zu bringen. Neben zwei Kabinen für gröbere Angelegenheiten finde ich auch vier Pissoirs vor, die im Gegensatz zu Ersteren wenig Privatsphäre zulassen und außerdem keinen besonders reinlichen Eindruck vermitteln. Während in der Nähe der Kabinen ein Lufterfrischer hängt, verströmen Duftstäbchen direkt neben den Pissoirs eine kaum wahrnehmbare Note. Die getroffenen Vorkehrungen reichen aber aus, um den Aufenthalt erträglich zu gestalten. In einer der beiden Kabinen liegt Klopapier auf dem Boden und selbst die Klobürste hat schon bessere Tage gesehen. Die Innenseite der Tür wurde des Weiteren durch urbane Kunst und einen kleinen Sticker mit der Aufschrift “Stammtisch” verschönert, was dem geneigten Besucher ein Schmunzeln entlockt. Zumindest muss dem Ruf der Natur, der Installation zweier Lichtquellen sei Dank, nicht in totaler Finsternis gefolgt werden. Beim Waschbecken finde ich Cremeseife und einen Papierhandtuchspender mit ausreichendem Inhalt vor. Falls es doch mal brenzlig wird, ist außerdem für einen akzeptablen Vorrat an Toilettenpapier gesorgt. Der Mistkübel quillt um diese Uhrzeit allerdings schon mehr als über und hat bereits eine Eigendynamik entwickelt. Ob das dargebotene Bild stellvertretend für die Unzufriedenheit bezüglich des Films steht, kann ich an dieser Stelle nur vermuten. Beim Hinausgehen fällt mir zwar noch ein weiteres Kunstwerk am Türstock auf, doch ein Putzplan ist nicht in Sicht.

Obwohl das Burg Kino durch seine reichhaltige Geschichte und das Drumherum sofort die Kinoatmosphäre alter Schule erzeugt, bietet das Herren-WC, zumindest zu später Stunde, nicht das gewünschte Ambiente für Erleichterung jeglicher Art. Außerdem muss in dringenden Fällen beachtet werden, dass das Kino erst 30 Minuten vor der ersten Vorstellung seine Pforten öffnet. In diesem Sinne: Geschäft…äh…Film ab!

Website: https://www.burgkino.at/

Besuchszeit: Donnerstag, 14.12.2017, 03:00 Uhr

Sauberkeit
Wohlfühlfaktor
Ausstattung
Durchschnitt:
 

barrierefrei

kostenpflichtig

Wickeltisch

Hygieneprodukte

Automaten