Eineinhalb Stockwerke geht es hier vom Gästebereich im Erdgeschoss nach unten zur Toilette. Das Männer-WC – linkerhand – ist dem Schweinekotelett des Zwillings-Gewölbes sehr ähnlich. Farb- und geschmacklos präsentiert es sich dem Kunden. Schon der erste Blick offenbart die Unwahrscheinlichkeit eines erfüllenden Erlebnisses. Sinnbildlich für den fehlenden Sexappeal des wohl Anfang der 70er-Jahre ausgekachelten Raumes, hängt die Türklinke schlaff vom Holzfurnier. Dieser Zustand scheint akzeptiert; ein einst wichtiges, oft benutztes, nun sinnlos herabhängendes Relikt aus fernen, besseren Zeiten.

Hoffnung gibt der erste Atemzug nach dem Schließen der Tür. In einer Stadt wie Wien, in der der Uringestank ein ständiger Begleiter ist, ist es ein Fußbad für die Seele, in einer Toilette nicht auf diesen Geruch zu stoßen. Dort, wo man ihn eigentlich erwarten sollte. Auch Seife und Papierhandtücher sind in ausreichender Menge vorhanden. Auf einen Handfön hat man dankenswerterweise verzichtet.

Die Nähe zur Wiener Universität ist nicht zu leugnen. Auf der Kabinentür prangt ein Antifa-Schriftzug und die Weisheit „Niemand muss Bulle sein“. Eine Aussage die so bundesdeutsch wie wahr ist. Die Schmierereien befinden sich auf der Innenseite der Tür, was weniger für die Kaputtheit des Systems, als für die Feigheit der Verfasser spricht. Macht kaputt, was euch kaputt macht – aber nur wenn Mama nicht zuschaut.

Neben der Kabine mit einer sauberen WC-Schlüssel stehen noch drei Pissoirs zur Verfügung. An und für sich geht die Wahl des Pissoirs mit unermesslicher Unparteilichkeit einher. Im Zwillings-Gewölb ist allerdings die linke Latrine zu bevorzugen, da die beiden anderen Pissoirs links und rechts einer Mauerecke eingebaut wurden, sodass bei Vollbetrieb nur Pobacke an Pobacke uriniert werden kann. Ein Spartenprogramm für spezielle Genießer.

Das Männer-WC im Zwillings-Gewölb ist weder besonders schmutzig noch besonders schön. Es bietet keinen besonderen Wohlfühlfaktor, verärgert den Benutzer aber auch nicht durch zu wenig Fußraum. Eine WC-gewordene Durchschnittlichkeit, die man – auch aus Gründen der Fairness – nur als Gast des Lokals benutzen sollte.

Besuchszeitpunkt: Donnerstag, 14:30 Uhr

-mf-

Sauberkeit
Wohlfühlfaktor
Ausstattung
Average
 

kostenpflichtig